Fachbereich Migration und Gute Arbeit: Menschenwürdige Beschäftigung für alle

Im Rahmen unseres Jubiläums stellen wir die Fachbereiche von Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg vor. In diesem Beitrag blicken wir auf den Fachbereich Migration und Gute Arbeit. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie können migrantische Beschäftigte ihre Rechte wahrnehmen und menschenwürdig arbeiten und was braucht es, damit Rechtsverletzungen und Ausbeutung verhindert werden?

Seit der Gründung des Fachbereichs im Jahr 2015 ist die Beratung migrantischer Beschäftigter ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Dabei geht es um ganz unterschiedliche Situationen, in denen Arbeitsrechte verletzt werden: nicht gezahlte Löhne, nicht gemeldete Arbeitsunfälle, illegale Lohnabzüge oder Kündigungen bis hin zu Drohungen, Gewalt und konfiszierten Pässen. Mit dem Berliner Beratungszentrum Migration und Gute Arbeit BEMA und der Fachstelle für Migration und Gute Arbeit Brandenburg bieten wir betroffenen Menschen Beratung und Unterstützung. „Unsere Arbeit setzt dort an, wo Menschen um ihre Rechte gebracht werden. Wir unterstützen Betroffene konkret und setzen uns zugleich dafür ein, die strukturellen Ursachen von Rechtsverletzungen, Ausbeutung und Diskriminierung zu verändern“, betonen Fachbereichsleiterin Svenja Ketelsen (Berlin) und Dr. Philipp Schwertmann (Bund/Brandenburg).

Da unsere Arbeitsrechtsberatungen in Berlin und Brandenburg immer ausgebucht sind, bieten wir unter dem Motto „Kenne deine Rechte“ arbeitsrechtliche Schulungen an, auch in Kooperation mit den Herkunftsländern. Unsere Berater*innen sind dafür in Bulgarien, Polen, Moldau und Jordanien unterwegs, um Menschen bereits vor ihrer Abreise und Beschäftigung in Deutschland über ihre Rechte zu informieren. So sollen sie nicht schon bei ihrer Ankunft hohe Schulden haben oder illegale Arbeitsverträge unterschrieben haben.

In manchen Fällen geht eine Rechtsverletzung weit über arbeitsrechtliche Verstöße hinaus. Wenn Beschäftigte durch Drohungen, Gewalt, Schulden oder andere Mittel in eine Zwangssituation gebracht und in ihrer Freiheit eingeschränkt werden, handelt es sich um Straftaten – insbesondere Zwangsarbeit, Ausbeutung der Arbeitskraft und Menschenhandel. Mit diesen Phänomenen beschäftigen wir uns bereits seit 2012. Bestehendes Recht im Einzelfall durchzusetzen, reicht für uns jedoch nicht aus. Wir wollen auch die systematischen Ursachen von Rechtsverletzungen angehen: Diskriminierung, Rassismus, ungenügende rechtliche Regelungen oder die mangelnde Kontrolle durch zuständige Behörden. Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Beratung bringen wir in Politikprozesse ein, machen Lösungsvorschläge und sind in den Medien präsent.

Seit 2016 konzentrieren wir uns mit der Servicestelle gegen Arbeitsausbeutung, Zwangsarbeit und Menschenhandel zudem darauf, Handlungskompetenzen zu diesen Phänomenen zu stärken – insbesondere bei Strafverfolgungsbehörden sowie Beratungs- und Unterstützungsangeboten. Ziel ist es, dass Zwangsarbeitssituationen besser erkannt werden und betroffene Menschen die notwendige Unterstützung erhalten. Viele unserer Maßnahmen sind Teil des Nationalen Aktionsplans gegen Arbeitsausbeutung und Zwangsarbeit der Bundesregierung.

Die Wurzeln unserer Arbeit reichen bis in die 1970er-Jahre zurück. Die damals gegründete „Ausländerberatung“ des DGB ging 2011 zu uns über. Seitdem hat sich unser Angebot kontinuierlich weiterentwickelt und erweitert – bei Inhalten, Sprachen und Methoden. Damit reagieren wir auf Veränderungen der Arbeitsmigration und auch auf die Tricks und Maschen von Anwerber*innen und Arbeitgeber*innen. Die langfristige Unterstützung durch die Länder Berlin und Brandenburg sowie den Bund, insbesondere das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, ermöglicht die stetige Weiterentwicklung unserer Arbeit. Die Ausweitung unserer Projekte führte 2024 zur regionalen Aufteilung in zwei Fachbereiche: einen für die Berliner Aktivitäten und einen für die bundesweiten und Brandenburger Aktivitäten. Unser Ziel bleibt dabei klar: migrantische Beschäftigte ebenso wie Fachpersonen bei NGOs und Behörden zu unterstützen und ihre Handlungskompetenzen zu stärken. Die Förderungen ermöglichen kostenlose und dadurch niedrigschwellige Angebote.

Eine Übersicht all unserer Angebote gibt es hier.

Ansprechpartner*innen

Svenja Ketelsen
Svenja Ketelsen

Fachbereichsleiterin Migration und Gute Arbeit (Berlin)

030 / 5130 192-72
ketelsen@berlin.arbeitundleben.de

Dr. Philipp Schwertmann
Dr. Philipp Schwertmann

Fachbereichsleiter Migration und Gute Arbeit (Brandenburg/Bund)

030 / 5130 192-70
schwertmann@berlin.arbeitundleben.de

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