Im Fokus: Bauwirtschaft und Gastgewerbe

Die vierte Branchenanalyse unserer Servicestelle gegen Arbeitsausbeutung, Zwangsarbeit und Menschenhandel nimmt die Bauwirtschaft und das Gastgewerbe in den Blick. Beide Branchen sind für Gesellschaft und Wirtschaft von großer Bedeutung und zugleich durch Arbeitsbedingungen und Beschäftigungsstrukturen geprägt, die das Risiko von Arbeitsausbeutung, Zwangsarbeit und Menschenhandel erhöhen können. Eine hohe Zahl migrantischer Beschäftigter, komplexe Beschäftigungsverhältnisse und teilweise prekäre Arbeitsbedingungen schaffen besondere Risiken für Ausbeutung und Abhängigkeit. In der Bauwirtschaft erschweren zudem wechselnde Arbeitsorte und vielschichtige Subunternehmerstrukturen die Nachvollziehbarkeit von Verantwortlichkeiten und den Zugang zu Informationen und Unterstützungsangeboten. Im Gastgewerbe können unregelmäßige Arbeitszeiten, hoher Arbeitsdruck sowie schwer nachvollziehbare Arbeitszeit- und Lohnregelungen die Situation von Beschäftigten zusätzlich erschweren.

Anhand von Indikatoren, die von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der Europäischen Kommission entwickelt wurden, untersucht die Analyse Fallschilderungen aus der Beratungspraxis und der öffentlichen Berichterstattung auf Anzeichen für Arbeitsausbeutung, Zwangsarbeit und Menschenhandel. Die konkreten Fallbeispiele zeigen, wie sich Ausbeutung in den beiden Branchen äußern kann – etwa durch extrem lange Arbeitszeiten, Lohnvorenthaltung und Lohnmanipulationen, schlechte oder unsichere Arbeitsbedingungen, unklare Beschäftigungsverhältnisse oder Abhängigkeiten von Arbeitgeber*innen.

Die Analyse macht branchenspezifische Risikofaktoren sichtbar und unterstützt dabei, Anzeichen von Arbeitsausbeutung und Zwang frühzeitig zu erkennen. Ziel ist es, das Bewusstsein und die Handlungssicherheit von Behörden, Beratungsstellen, Gewerkschaften und Unternehmen zu stärken und dazu beizutragen, Betroffene frühzeitig zu erkennen, zu schützen und zu unterstützen. Die Publikation möchte dabei nicht einzelne Branchen pauschal problematisieren, sondern dazu beitragen, ausbeuterischen Praktiken wirksam entgegenzutreten.

nach oben