Neues Online-Format der Servicestelle gegen Zwangsarbeit

Was hält Menschen davon ab, über Ausbeutung zu sprechen – selbst, wenn sie Opfer einer Straftat sind?

Unsere Servicestelle gegen Zwangsarbeit hat neue Scrollytellings veröffentlicht: digitale Erzählformate, bei denen sich Inhalte beim Scrollen Schritt für Schritt entfalten. Sie verbinden Storytelling mit visueller Führung und machen komplexe Themen dadurch anschaulich und zugänglich. Die neuen Inhalte machen Lebensrealitäten sichtbar, die häufig verborgen bleiben. Betroffene leben oft in prekären und verletzlichen Situationen und stehen unter erheblichem Druck. Über ihre Erfahrungen zu sprechen, ist für viele riskant. Sie fürchten Repressionen, aufenthaltsrechtliche Konsequenzen, den Verlust von Arbeit oder Unterkunft sowie Bedrohungen durch Täter*innen.

Viele Betroffene kommen nach Deutschland oder leben bereits hier, um zu arbeiten und sich sowie ihren Familien eine bessere Zukunft aufzubauen. Sie investieren Geld, nehmen Schulden auf, absolvieren Qualifizierungen und überwinden zahlreiche Hürden. Dass sie dennoch in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse geraten, ist oft schwer zu erkennen – auch für sie selbst. Arbeitsausbeutung, Zwangsarbeit und Menschenhandel bleiben deshalb häufig unsichtbar. Abhängigkeitsverhältnisse führen in diese Situationen und erschweren zugleich den Ausstieg oder die Inanspruchnahme von Unterstützung.

Die Scrollytellings greifen diese Dynamiken anhand konkreter Fallbeispiele auf. Sie zeigen, wie Ausbeutung in der Praxis funktioniert, und stärken das Problembewusstsein. Ziel ist es, Hinweise auf Ausbeutung besser erkennbar zu machen und den Zugang zu Unterstützung zu erleichtern. Die Geschichten basieren auf realen Fällen. Viele Betroffene befinden sich in Situationen, die es ihnen kaum ermöglichen, ihre Lage offenzulegen – weder öffentlich noch gegenüber Behörden. Gerade deshalb ist es entscheidend, ihre Erfahrungen sichtbar zu machen. Nur so lassen sich Verdachtsfälle erkennen, Betroffene unterstützen und Täter*innen wirksam verfolgen.

Die Servicestelle initiiert und fördert bundesweit Aktivitäten und Kooperationen gegen Arbeitsausbeutung, Zwangsarbeit und Menschenhandel. Sie stärkt die Kompetenzen zuständiger Stellen, schafft Bewusstsein und vermittelt Wissen zu ausbeuterischen Arbeits- und Zwangssituationen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Ein Schwerpunkt liegt auf der besseren Identifikation und Unterstützung von Betroffenen sowie der effektiven Strafverfolgung. Die Servicestelle wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert.

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