Aktuelles
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75 Jahre Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg bedeuten auch 75 Jahre voller Geschichten. Zum Jubiläum blicken wir zurück und sprechen mit Menschen, die unsere Arbeit geprägt haben. Einer von ihnen ist Jean-Daniel Mitton. Viele Jahre arbeitete er beim Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben und begleitete vor allem die deutsch-französische Jugendarbeit. Angefangen hat alles Ende der 1980er Jahre in West-Berlin. Für unser Jubiläum haben wir Jean-Daniel getroffen und mit ihm über seine ersten Jahre bei Arbeit und Leben gesprochen.
Als Jean-Daniel 1988 bei Arbeit und Leben Berlin anfing, war zunächst nur ein Jahr geplant. Das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) finanzierte die Stelle. Für ihn wurde daraus jedoch mehr als ein Praktikum: Es war der Einstieg in einen Arbeitsbereich, der ihn bis zu seiner Rente begleiten sollte. „Zum ersten Mal hatte ich einen richtigen Arbeitsvertrag und das Gefühl, Teil eines Teams zu sein“, erinnert er sich. Die Räume von Arbeit und Leben lagen damals in der Keithstraße im DGB-Haus. Dort organisierte Jean-Daniel deutsch-französische Begegnungen für Berufsschulen und junge Menschen in der Ausbildung. Gruppen aus Berlin reisten nach Frankreich, französische Gruppen kamen nach West-Berlin. Im Mittelpunkt standen Besuche in Berufsschulen, Gespräche mit Gewerkschaften und Einblicke in Arbeitswelt und Gesellschaft. „Wenn deutsche Bäcker französische Bäcker getroffen haben, brauchte man keinen Dolmetscher. Die verstanden sofort, worum es geht.“, erzählt Jean-Daniel. Die deutsch-französischen Jugendbegegnungen waren zu diesem Zeitpunkt bereits ein wichtiger Schwerpunkt der internationalen Arbeit von Arbeit und Leben. Die Diskussion über interkulturelles Lernen und sprachliche Kommunikation begann damals gerade erst und entsprechende pädagogische Methoden wurden entwickelt. Themen wie Rassismusbekämpfung, der Aufbau Europas oder die Sprachanimation rückten stärker in den Mittelpunkt. In nur einem Jahr organisierte Jean-Daniel mehrere Fahrten nach Frankreich und zahlreiche Programme in Berlin. Eine seiner ersten Gruppen führte ihn mit einer Berliner Hotelfachschule nach Aix-en-Provence und Marseille. „Ich bekam bei Arbeit und Leben schnell viel Vertrauen geschenkt“, sagt er rückblickend. „Mir wurde Verantwortung übertragen und ich hatte das Gefühl, dass alle an einem gemeinsamen Ziel arbeiten.“
Parallel dazu spielte auch das sogenannte Ost-West-Büro eine Rolle. Der Bereich des Bundesarbeitskreises Arbeit und Leben war ebenfalls in der Keithstraße untergebracht. Dort wurden Studienreisen nach Ostdeutschland organisiert. Mehrmals pro Woche gingen Gruppen über die Grenze. Jean-Daniel fuhr regelmäßig nach Ost-Berlin, um Visa-Unterlagen in einem Reisebüro abzugeben. „Ich lief mit meinem Rucksack voller Visa-Anträge durch die Grenzkontrollen“, erzählt er. „Das war völlig normal für mich – heute klingt es fast absurd.“ Eine Situation ist ihm bis heute besonders in Erinnerung geblieben: Weil an der Friedrichstraße plötzlich alles gesperrt war, versuchte er als französischer Staatsbürger über den Checkpoint Charlie nach Ost-Berlin zu gelangen. Die Grenzbeamten reagierten irritiert auf den jungen Franzosen mit Hunderten Visa-Anträgen im Rucksack. Sie hielten ihn fest und befragten ihn immer wieder. Erst später verstand Jean-Daniel, dass ihm seine französische Staatsangehörigkeit vermutlich geholfen hatte. „Mit einem Franzosen wollten sie offenbar keinen größeren Ärger riskieren“, sagt er heute.
Aus dem ursprünglich auf ein Jahr angelegten Aufenthalt wurde schließlich eine jahrzehntelange Tätigkeit im deutsch-französischen Austausch. Nach seiner Zeit bei Arbeit und Leben Berlin arbeitete Jean-Daniel zunächst weiter in der Hauptstadt und später beim Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben in Wuppertal – bis zu seinem Renteneintritt 2025.