Keine menschenwürdige Arbeit ohne faire Anwerbung!

Zahlreiche Menschen kommen aus anderen Ländern nach Deutschland, um hier zu arbeiten. Doch viele von ihnen werden ausgebeutet, manche sogar zur Arbeit gezwungen. Diese menschenunwürdigen Bedingungen beginnen oft schon bei der Anwerbung: Fragwürdige Agenturen machen große Versprechen, verlangen aber illegale und überhöhte Gebühren für Vermittlung, Visa oder Reisen. Dadurch geraten Beschäftigte in Schulden, müssen häufig ihre Pässe abgeben und können den Arbeitgeber nicht wechseln.

Gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung hat die Servicestelle gegen Zwangsarbeit bei Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg die internationale Fachtagung „Ausbeutung verhindern – gute Arbeit sichern: Ansätze fairer Anwerbung“ organisiert. Am 16.09.2025 kamen die Teilnehmenden in Berlin mit dem Ziel zusammen, die Anwerbung in Ländern Afrikas und Südosteuropas zu untersuchen sowie gute Beispiele fairer Anwerbung vorzustellen und zu diskutieren.

Staatssekretärin Lilian Tschan vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) unterstrich die Wichtigkeit von fairer Anwerbung: „Wir müssen handeln, bevor sich ausbeuterische Strukturen ihren Weg bahnen. Ziel muss es sein, dass bereits die Anwerbung der Arbeitskräfte im Herkunftsland unter transparenten und fairen Bedingungen erfolgt. Anders gesagt: Gute Arbeit beginnt mit fairer Anwerbung.“

Im Nationalen Aktionsplan gegen Arbeitsausbeutung und Zwangsarbeit, den die Bundesregierung Anfang 2025 beschlossen hat, spielt faire Anwerbung daher eine zentrale Rolle. Mit verschiedenen Maßnahmen – von Informationsangeboten bis zu Prüfungen und Kontrollen – soll Missbrauch verhindert werden. Die Teilnehmenden aus afrikanischen Ländern wie Kenia, Ghana und Tunesien betonten eindrücklich: Beschäftigte dürfen nicht wie Waren behandelt werden, sondern sind Menschen mit legitimen Bedürfnissen, die auch in den Zielländern berücksichtigt werden müssen.

In der abschließenden Podiumsdiskussion machte die Berliner Staatssekretärin Micha Klapp deutlich, dass diese Anliegen in Berlin ernst genommen werden. Mit Angeboten zur Beratung gegen Diskriminierung, zur Durchsetzung von Arbeitsrechten und mit sogenannten „One-Stop-Shops“ für neu Zugewanderte wird die Position von migrantischen Beschäftigten gestärkt. One-Stop-Shop bedeutet, dass alle bürokratischen Verfahren zur Fachkräfteeinwanderung gebündelt von einer zentralen Behörde bearbeitet werden. Der Unterabteilungsleiter für internationale Beschäftigungs- und Sozialpolitik im BMAS, Sebastian Petzold, versicherte, dass Faire Anwerbung weiterhin ein wichtiges Thema für die Bunderegierung sein wird und die Ergebnisse der Veranstaltung in das weitere Vorgehen einbezogen werden.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung wird im Nachgang der Tagung ein Policy Brief veröffentlichen, das den Handlungsbedarf zusammenfasst.

v.l.n.r.: Dr. Philipp Schwertmann (Fachbereichsleiter Migration und Gute Arbeit (Brandenburg/Bund) bei Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg), Anastasia Todorova (Migrationsexpertin, Bund der unabhängigen Gewerkschaften Bulgariens CITUB), Dr. Kennedy Atong Achakoma (Migrationsexperte, Trade Union Congress Ghana), Sebastian Petzold (Unterabteilungsleiter Intl. Beschäftigungs- und Sozialpolitik, Bundesministerium für Arbeit und Soziales BMAS), Micha Klapp (Staatssekretärin, Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung), Annette Schlicht (Bereich Migration und Entwicklung, Friedrich-Ebert-Stiftung) © Eliane Friess, Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg© Eliane Friess, Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg

Staatssekretärin Lilian Tschan auf dem Podium

Lilian Tschan (Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales BMAS) © Eliane Friess, Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg

Ansprechpartner

Dr. Philipp Schwertmann
Dr. Philipp Schwertmann

Fachbereichsleiter Migration und Gute Arbeit (Brandenburg/Bund)

030 / 5130 192-70
schwertmann@berlin.arbeitundleben.de

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