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Berlin Care – Kontroversen um Gesundheit, Pflege- und Sorgearbeit

30.11.2020 – 04.12.2020
Die Bereiche Gesundheit und Pflege werden vielfach als Märkte der Zukunft bezeichnet. Damit einher geht die Stärkung marktwirtschaftlicher Prinzipien im Gesundheitswesen. Medizinische Abwägungen müssen mit unternehmerischem Kalkül abgeglichen werden, Einrichtungen werden privatisiert. Dies hat Auswirkungen auf die Angebote und die Qualität von Leistungen. Es beeinflusst auch die Arbeitsbedingungen von Beschäftigten in Gesundheit und Pflege. Zeitdruck, Zwang zur Kosteneffizienz, hohe körperliche Belastung und geringe Bezahlung ziehen eine geringe Verweildauer in den Berufen und mitunter Fehler nach sich. Gleichwohl können Krankheit und Pflegebedürftigkeit jeden treffen. Ein „gesundes“ Gesundheitssystem zu ermöglichen ist daher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Was heißt es, gesund zu sein, und was ist dafür erforderlich? Wie ist das Gesundheits- und Pflegesystem in Deutschland strukturiert? Was sind die Stärken, was die Defizite? Wie sollten die Arbeitsbedingungen gestaltet werden, damit sie für Helfende wie Betroffene nachhaltig sind? Und wie steht es um die Sorgenden? Sorgearbeit umfasst Tätigkeiten der Pflege, Zuwendung, Versorgung für sich und für andere. Sorgearbeit (Englisch: „care“ bzw. „care work“) beinhaltet alle Sorgetätigkeiten: unbezahlt oder bezahlt, privat oder professionell. Das sind z. B. Tätigkeiten der Haushaltsführung, der Pflege und Betreuung von Kindern und Älteren. Aber auch
nachbarschaftliche Hilfen oder gewisse ehrenamtliche Tätigkeiten gehören dazu. Sorgearbeit ist zwischen Frauen und Männern ungleich verteilt. Dies gilt sowohl für die private als auch für die erwerbsförmige Sorgearbeit. In dem Seminar beleuchten wir Facetten des Gesundheits- und Pflegesystems und die aktuellen Fakten, Zahlen und Diskussionen rund um die Sorgearbeit. Dazu sprechen wir mit Expert*innen über Sorgearbeit als Thema der Gleichstellung und hören zu Fragen rund um Gesundheit und Pflege Perspektiven eines Arztes, eines Sozialverbandes und einer
Pflegeorganisation sowie Ansichten von gewerkschaftlicher Seite. Im Bundestag erhalten wir Aufschluss über aktuelle Herausforderungen der Gesundheitspolitik. Dieses Seminar richtet sich an beruflich Pflegende, pflegende Angehörige und gesundheitspolitisch Interessierte. Inhaltlich beschäftigen wir uns neben der politischen Ebene auch mit den Folgen der Ökonomisierung im alltäglichen beruflichen Handeln, z. B. Erschöpfung und Aggression. Dies werden wir in Einrichtungen diskutieren, die auch Hilfsangebote bereithalten, wie z. B. dem Berliner Krisendienst. Wo kann darüber hinaus der/die pflegende Angehörige unterstützt und beraten werden? Expert*innen eines Pflegestützpunktes, einer Selbsthilfeorganisation und eines Wohnungsbauprojektes sollen hier im Gespräch die Teilnehmenden ermutigen, ihre Handlungsspielräume auszuschöpfen.

Teilnahmebeitrag: 155,00 €, für Mitglieder der NGG Region Berlin-Brandenburg und der IG BCE Berlin-Mark Brandenburg übernehmen die Gewerkschaften die Teilnahmegebühren.
Diese Veranstaltung im Überblick
Beginn:
30.11.2020 um 09:00 Uhr
Ende:
04.12.2020 um 17:00 Uhr
Veranstaltungsleitung:
Sabine Münstermann , Claudia Mielke
Veranstaltungsort:
Berlin
Teilnehmerbeitrag:
155,00 EUR / 70,00 EUR ermäßigt