Mangelnder Gesundheitsschutz, Isolation und kein Lohn – Brandenburger und Berliner Beratungsstellen unterstützen 15 rumänische Erntehelfer*innen im Spreewald

Mangelnder Gesundheitsschutz, Isolation und kein Lohn – Brandenburger und Berliner Beratungsstellen unterstützen 15 rumänische Erntehelfer*innen im Spreewald

zurück

Berlin, 24.04.2020

Aufgrund schlechter Arbeits- und Hygienebedingungen verließen 15 rumänische
Erntehelfer*innen am gestrigen Donnerstag einen Spargelhof im Spreewald. Sie wurden vor Ort
von Berater*innen der Fachstelle Migration und Gute Arbeit Brandenburg sowie des Berliner
Beratungszentrums für Migration und Gute Arbeit BEMA unterstützt.

Die Männer und Frauen durften den Hof in den vergangenen 14 Tage außer für die Arbeit auf den
Feldern aufgrund der Quarantänevorgaben nicht verlassen. Sie hatten sich wegen hohen
Akkordvorgaben und Lohnabzügen beim Arbeitgeber beschwert. Unter anderem beklagen sie,
dass ihnen die Flugkosten in Höhe von 300 Euro vom Lohn abgezogen werden sollen. Sie
berichteten zudem von unzureichendem Gesundheitsschutz für die Beschäftigten. So habe es
auf dem Feld keine Möglichkeiten zum Händewaschen gegeben, auch nicht vor dem täglichen
Mittagessen, welches ebenfalls auf dem Feld eingenommen wurde. Desinfektionsmittel
standen lediglich in der Unterkunft zur Verfügung. Sie hatten keine Möglichkeit, selbst
Lebensmittel zu kaufen, da sie das Betriebsgelände nicht verlassen durften. Ihren Lohn haben
sie noch nicht ausbezahlt bekommen. Die Arbeiter*innen kontaktierten schließlich die
rumänische Botschaft, welche ihrerseits den Zoll sowie das Landesamt für Arbeitsschutz,
Verbraucherschutz und Gesundheit um Überprüfung des Arbeitgebers bat.

„Der Fall macht deutlich, dass Arbeitsrechte und Gesundheitsschutz aktuell auf der Strecke
bleiben. Es ist problematisch, dass die Arbeiter*innen derart abhängig sind von ihrem
Arbeitgeber sind, nämlich bei Unterkunft, Verpflegung, Gesundheit sowie Ein- und Ausreise.
Wenn sie kündigen wollen – z.B. aufgrund von schlechten Arbeits- oder
Unterkunftsbedingungen – haben sie kaum eine Möglichkeit vom Betriebsgelände
wegzukommen und in ihre Heimatländer zu gelangen“, kritisiert der Leiter des Fachbereichs
Migration und Gute Arbeit bei ARBEIT UND LEBEN DGB-VHS Berlin-Brandenburg, Dr. Philipp
Schwertmann.

Dirk Kuske, stellvertretender Regionalleiter der IG BAU Berlin-Brandenburg betont, dass die
Saisonarbeiter*innen Zugang zu Informationen und Gewerkschaften haben müssten. „Die
Arbeiter*innen werden vollkommen isoliert und haben keinen Kontakt zur Außenwelt außer
durch den Arbeitgeber. Hier muss die Politik gewährleisten, dass der Zugang zu
muttersprachlichen Informationen und Gewerkschaften ermöglicht wird“, sagt Kuske.
„Die Sicherstellung der Ernte und damit die Versorgung der Bevölkerung liegt natürlich auch den
Gewerkschaften am Herzen. Gerade in der angespannten Lage darf aber nicht der geringste
Zweifel entstehen, dass Arbeits- und Sozialstandards eingehalten werden. So ist es gerade jetzt
wichtig, dass die Arbeitsschutzbehörden personell und organisatorisch so aufgestellt werden,
dass sie die gesetzlichen Vorgaben in den Betrieben wirksam kontrollieren und durchsetzen
können“, sagt Christian Hoßbach, Vorsitzender des DGB Berlin-Brandenburg.

Insgesamt bestätigt sich der Eindruck, dass die im Konzept von BMI und BMEL zur Einreise von
Saisonarbeitskräften festgelegten Maßnahmen zwar den Infektionsschutz der deutschen
Bevölkerung im Blick haben, Arbeitsrechte und Gesundheitsschutz der Arbeiter*innen aber
deutlich zu kurz kommen.

Aktuell bemüht sich das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des
Landes Brandenburg, den Männern und Frauen eine neue Beschäftigung in der Landwirtschaft
zu vermitteln.

Die Fachstelle und das BEMA unterstützen zugewanderte Menschen und mobile Arbeitnehmer*
innen dabei, ihre Arbeits- und Sozialrechte wahrzunehmen – durch Beratung, Bildung
und Sensibilisierung. Die Fachstelle Migration und Gute Arbeit Brandenburg wird durch das
Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie des Landes Brandenburg gefördert. Das BEMA
wird finanziert durch die Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales.

PDF: pm_mangelnder_gesundheitsschutz-_isolation_und_kein_lohn